Samstag, 6. September 2014

Rummsbumms auf Rügen - Gewitterfotografie

Hallo zusammen,

heute möchte ich mal ein paar Gewitteraufnahmen zeigen. Aufnahmeort Rügen, genauer: Balkon der FeWo. Eigentlich war das Wetter für einen Sommerurlaub ganz annehmbar, aber an diesen Tag lag was in der Luft. Als ich am Abend aus dem Fenster geschaut habe, sah das schon ziemlich bedrohlich aus.


Da braute sich eindeutig was zusammen. Es war auch schon deutlich ein Grollen aus der Ferne zu vernehmen. Also die E-PL5 (kleine Systemkamera, siehe auch Olympus E-PL5 - Ein Erfahrungsbericht ) rausgeholt, das Reisestativ aufgebaut und erstmal 20 Sekunden Belichtungszeit gewählt = Langzeitbelichtung; damit ist auch das Foto oben anstanden.

Nach kurzer Zeit der erste Treffer:

Gewitteraufnahme mit Olympus E-PL5 und Panasonic 14/2.5-Objektiv
Na ja, zumindest ist was auf dem Bild. Aber da das Gewitter immer weiter in unsere Richtung zu wandern schien, habe ich einfach immer wieder den Auslöser gedrückt und gehofft, dass in den 20 bis 40 Sekunden Belichtungszeit etwas passiert. Und dann ging es so richtig los.


Das entsprach schon eher dem, was ich mir vorgestellt hatte. Zum Glück hatte der Regen inzwischen nachgelassen, so dass ich nicht durch die schnell total verregnete Scheibe knipsen musste, was gelinde gesagt nur "Art" erzeugt hat, aber keine brauchbaren Aufnahmen.


Na das sieht doch schon mal klass(e)isch aus :)


Und es kam noch besser. Als ich eigentlich schon wieder einpacken wollte, weil es irgendwie nach dem Ende des Schauspiels aussah, kam noch mal das große Finale.


"Krakatau!". Nicht schön, aber brachial. Der Blitz war wirklich hell! Das hat sich nicht nur in den Sensor gebrannt, sondern auch in die Netzhaut.

Wie gesagt, sind diese Aufnahmen mit Langzeitbelichtung realisiert; 20 bis 40 Sekunden. Das ist eigentlich auch der ganze Trick bei Gewitteraufnahmen. Da es nahezu unmöglich ist, einen Blitz durch auslösen im richtigen Moment zu erwischen, lässt man einfach eine lange Zeit den Verschluss der Kamera offen. Sofern das Licht der Szene es erlaubt, können das viele Sekunden oder sogar Minuten sein. Ein Blitz ist zwar extrem hell, aber das nur für einen sehr kurzen Augenblick.man bekommt mit ein wenig Glück sogar mehrere zeitlich voneinander getrennte Blitze auf ein Foto. Auch hier sind 2-3 Blitze auf einem Bild, die in Wirklichkeit mit mehreren Sekunden Abstand aufgetreten sind.

Ich würde wirklich mal gerne ein spektakuläres Gewitter in den Bergen oder über einer Skyline einer tollen Stadt aufnehmen. Leider ist diese Naturerscheinung noch schwerer vorauszusagen, als ein brauchbarer Sommertag mit Biergartengarantie in Bremen ;) Man muss also immer die Nase in den Wind halten und dann auch relativ schnell reagieren. Also Stativ aufbauen, Kamera auf "M" und Langzeitbelichtung mit Darkframe-Subtraktion stellen und abwarten was passiert. Es lohnt sich oft auch nach dem Regenschauen...gerade nach dem Regenschauer, weiter auf den Auslöser zu drücken, denn wenn dann noch Blitze kommen, sieht das oft besser aus, als mitten in der Wasserfall-Phase. Außerdem wird man nicht nass, bzw. miss sich irgendwo verschanzen, wo man eventuell kein freies Blickfeld hat oder man hinter Fensterscheiben gefangen ist, die verregnet sind.

In diesem Sinne, viel Glück beim nächsten Gewitter,

Gordon

Montag, 25. August 2014

Olympus OM-D E‑M10 - Erfahrungsbericht mit neuer mFT-Kamera

Mal wieder ein vor Phantasie nur so strotzender Titel...na ja ;)

Zumindest ist klar worum es geht. Ich schicke nun meine E-PL5 (siehe u.a. Olympus E-PL5 - Ein Erfahrungsbericht) in Rente und ersetze sie durch die E-M10. Das Teil soll das Modell zwischen OM-D E-M5 und E-M1 darstellen, wobei erstere schon älter ist und letztere sehr teuer und eher "Profi". Vom Aussehen her kann man die E-M10 gut mit der E-M5 vergleichen. Ich schätze man hat die gleichen Konstruktionsunterlagen als Basis genommen. Zumindest sieht die 5er aus wie eine Miniatur-DSLR, also mit Spiegelkastenbuckel und Sucher.

Olympus OM-D E-M10 mit 45/1.8 Objektiv
Natürlich habe ich wieder keine Kosten und Mühen gescheut und ein paar herausragende Produktfotos von der Knipse in meinem 300 qm-Studio anfertigen lassen ;) Nein, Quatsch! Ich habe versucht die Kamera mit Microfasertuch und Blasebalg von Staub und Fingerabdrücken zu befreien, es auf das bei Blitzlicht gesehen nicht staubfreie Sofa geworfen und mit einem externen Blitz über eine Weiße Tür schräg angeblitzt. Wie man noch sehen wird, ist es extrem schwer einen schwarzen Gegenstand so zu entstauben, dass man bei Blitzlicht nicht Trilliarden von Fuseln sieht.

Aber zurück zur OM-D E-M10. Das Gehäuse sieht wie gesagt aus wie das der E-M5 zumindest in meinen Augen. Und damit unterscheidet es sich schon gewaltig von meiner E-PL5. Allerdings nicht was die Größe angeht. Die ist mehr oder weniger identisch. Genau genommen ist sie sogar ein wenig kompakter, wenn man den Aufstecksucher VF-4, den ich auf der E-PL5 immer verwendet habe, mit dazu rechnet. Der DSLR-mäßige Buckel mit dem Schriftzug "Olympus" ist übrigens nicht nur Zierde, er beherbegt nebem dem elektronischen Sucher einen Aufklappblitz. Zwar ist dieser Blitz wie alle dieser Gattung nicht wirklich für anständige Blitzaufnahmen geeignet, aber man kann damit einen externen Blitz steuern...zumindest gibt es eine Einstellung im Menü dafür.


Ein normaler Blitzschuh ist außerdem mit an Bord (auf dem Bild unter einer Plastikabdeckung verborgen). Der Blitz wird über den kleinen Knopf "up" links neben dem Sucher ausgeklappt...mechanisch. Das rückwärtige Display ist vergleichbar mit dem der E-PL5 und reicht vollkommen aus. Detailgrad, Sichtbarkeit, Dynamikumfang und Farbtreue würde ich als unauffällig bis gut bezeichnen. Rechts oben sieht man die ausgeprägte Daumenablage, darunter u.a. das 4-Wege-Steuerkreuz ohne Einstellrad. Das ist gut, wie ich finde. Mehr dazu gleich.


Der fest verbaute Handgriff auf der rechten Seite ist nicht wirklich groß und griffig. Ein wenig besser als die optionale Anschraubvariante der E-PL5 finde ich ihn aber schon. Vom Handling einer ausgewachsenen DSLR, wie der D700/800, ist dieser Winzlig aber weit entfernt. Das ist eben einer der Nachteile die man sich für die Kompaktheit einhandelt. Die beiden Griffösen sind übrigens immer noch extrem störend aufgrund der geringen Höhe der Kamera. Gerade die rechte Öse samt Riemen ist einem immer im Weg und nervt gewaltig! Gut, kann man nicht wirklich anders lösen. Wobei eine eingelassene Öse schon mal ein Anfang gewesen wäre, gerade für Leute die keinen Trageriemen verwenden wollen.


Die Speicher- und Akkufachklappe geht im Gegensatz zur E-PL5 nach hinten und nicht zur Mitte auf. Finde ich besser, weil sie so nicht so lang heraussteht und damit die Gefahr sie abzubrechen geringer ist, z.B. wenn man sie mit offener Klappe auf den Tisch stellt. Mit einer kleinen montierten Stativplatte, bekommt man die Klappe auch noch auf. Allerdings musste ich die Platte schon ein paar Millimeter neben der Mitte anbringen. Mit größeren Platte sieht es aber mau aus. Dann ist der Zugriff auf die Klappe versperrt. Die Klappe macht übrigens immer noch einen nicht gerade stabilen Eindruck. Das ist aber bei anderen Geräte heutezutage auch nicht anders. Man sollte aber mit spitzen Fingern arbeiten ;)


Hier sieht man noch etwas genauer den Schacht und die Klappe. Der Akku ist übrigens noch (wie bei E-PL5) der BLS-5. Die Akkulaufzeit und damit auch die Anzahl der möglichen Aufnahmen ist damit gleich, bzw. ein wenig geringer. Sie liegt nach Angabe des Herstellers bei 320 Aufnahmen (nach CIPA). Na ja...muss man heutzutage bei dieser Art von Kameras herstellerübergreifend mit leben. Wie bei einem Smartphone ist der Akku halt immer halb leer, statt halb voll :) Ich nehme immer min. 3 Akkus mit!


Das Klappdisplay ist auch bei dieser Kamera vorhanden. Ein extrem sinnvolles Feature, gerade bei Stativaufnahmen in Bodennähe oder auch aus der Hand, wenn man z.B. die Kamera in einer Menschenmenge über den Kopf halten muss, um das Motiv in den Sucher zu bekommen.
Am der Seite des "Sucherbuckels" sieht man einen kleinen Schalter, mit dem man zwischen Sucher und Display umschalten kann. Allerdings verfügt die E-M10 über eine sehr brauchbare Automatik. Diese schaltet von Display auf Sucher um, sobald man sich mit dem Auge nähert...oder der Hand oder dem Bauch :) Funktioniert aber sehr gut für mich, so dass ich die Automatik erstmal eingeschaltet gelassen habe. Die Umschaltzeit ist auch sehr gut. Man schaut nur gefühlt < 1 Sekunde in ein dunkles Loch, bis der Sucher sich einschaltet.
Der elektronische Sucher verfügt über 1,44 Millionen Punkten, was eine reale Auflösung von nur 800x600 Bildpunkten darstellt und das Bild erscheint auch deutlich kleiner als beim Aufstecksucher VF-4. Dafür stöttert die Bildwiedergabe nicht und für mich noch viel wichtiger, die Helligkeit wird automatisch angepasst. Diese automatische Helligkeitsanpassung verhindert, wie es bis jetzt scheint, dass man bei heller Umgebung kaum noch was erkennen kann, weil das Sucherbild viel zu dunkel erscheint und umgekehrt, man bei Dunkelheit geblendet wird. Das war für mich bis jetzt immer einer der größten Nachteile eines elektronischen Suchers und hat mich immer wieder mit Freude durch den optischen Sucher meines Ziegelsteins schauen lassen :)

Endlich 2 Einstellräder!
Was man auf diesem Bild sieht, ist für mich das Killerfeature und der eigentliche Grund die E-PL5 in Rente zu schicken. Zwei Einstellräder! Hurra! Ich fotografiere nie mit Vollautomatik, sondern will immer Zeit, Blende und Belichtungskorrektur selber einstellen und kontrollieren. Bei der E-PL5 gab es nur ein Drehrad das gleichzeitig das Steuerkreuz auf der Rückseite war. Damit konnte man nur eine der drei wichtigen Parameter (Blende, Zeit, Bel.-Korrektur) einstellen und das noch nicht mal wirklich gut, weil es zu klein und glitschig war und man oft ungewollt eine Funktion des Steuerkreuzes mit angesprochen hat. Um die eine der anderen beiden Parameter zu verstellen, mussste ich über das Steuerkreuz erst in ein Minimenü in dem man dann mit den Richtungstasten die Werte umständlich ändern konnte. Hier habe ich nun endlich, wie bei meiner Kleinbildkamera auch, 2 dedizierte Einstellräder in halbwegs guter Position und mit guten taktilen Eigenschaften. Damit kann ich nun bei Modus "A" Blende und Belichtungskorrektur, bzw. bei "M" Zeit und Blende direkt einstellen, ohne Menügefummel und ohne das Auge vom Sucher zu nehmen.

In Sachen Sensor und Features hat sich für mich eigentlich nicht viel getan. Aber die Handhabung einer Kamera ist für mich essentiell und ein großer Spaßfaktor und die E-PL5 konnte mich da nicht wirklich befriedigen. Sicherlich kein Problem für Leute die Motivprogramme verwenden und der Kamera die Einstellungen überlassen, aber für mich war das nicht wirklich was.


Die beiden Einstellräder ragen leicht über die Kante hinaus, so dass man sie ganz gut bedienen kann. Allerdings macht sich auch hier wieder die geringe Größe der Kamera negativ bemerkbar. Während man das vordere Rad noch sehr gut mit dem Auslösefinger bedienen kann (der Auslöser ist in diesem Rad), ist das Daumenrad ein wenig umständlicher zu erreichen. Irgendwie ist es zu weit weg, wenn man versucht das kleine Stück Seife richtig zu halten ;) Aber es geht. Kein Vergleich zur D800, aber da ist auch schon der Batteriegriff größer und schwerer als hier die ganze Kamera.


Was ich schade finde, ist diese Rad hier. Ich brauche es nicht wirklich und ich hätte mir gewünscht hier wären Knöpfe oder ein Drehrad oder beides, mit dem man sinnvollere Einstellungen machen kann. Natürlich schalte auch ich zwischen Manuell, Aperture und Time Prio. um, aber das passiert halt selten und die Motivprogramme brauche ich nie. Ideal wäre für mich hier ein Buttonpanel mit Drehrad wie bei der Nikon gewesen oder das was die E-M1 an dieser Stelle hat. So ist es halt ein "MSA"-Umschaltrad für mich :)


Das Steuerkreuz hat nun keinen Drehring mehr, gut. Die einzelnen 4-Wege-Knöpfe lassen sich trotz der geringen Größe gut bedienen und haben einen spürbaren Druckpunkt. Der OK-Button geht auch in Ordnung, dürfte aber gerne mehr Funktion haben, z.B. Zoom auf 0 bei Vorschau!
Der Ein-Ausschalter ist...unschön, um es mal gaaanz vorsichtig auszudrücken! Ich sehe ja auch, dass kein anderer Platz für den Schalter vorhanden ist, weil so viele andere Knöpfe auf der Kopfplatte untergebracht wurden, aber komfortabel oder geschweige denn schnell und sicher ist das leider nicht. Man verbiegt sich den Daumen, um die Kamera einzuschalten und muss sie dabei gut festhalten, damit sie nicht auf den Boden fällt. Ausschalten geht noch relativ gut, einschalten ist ein Graus. Der Druckknopf der E-PL5 hat mir viel besser gefallen. Einziger Vorteil dieses Kippschalters, man braucht keine LED um den Status zu sehen. Nee, gefällt mir nicht ;) Schlimmer ist nur noch der murksige Schalter meines SB-700 Nikon-Blitzes. Gerade weil man bei Systemkameras ständig den Ein- und Ausschalten braucht, um die ohnehin minimale Akkulaufzeit nicht weiter zu minimieren. Meine Spiegelkastenknipse bleibt dagegen teilweise den ganzen Tag lang "an" (Eine Spiegelreflexkamera verbraucht quasi keinen Strom, wenn sie eingeschaltet ist und die Belichtungsmessung automatisch abgeschaltet wird).

Kommen wir nun mal zur Verwendung der Kamera. Da ich aktuell ein wenig ans Haus gefesselt bin, habe ich noch nicht allzuviele Bilder machen können, aber ich denke es reicht, zumal sich der Sensor ziemlich exakt so anfühlt wie bei der E-PL5.

Ein Feature was ich unbedingt gleich ausprobieren musste, war das eingebaute WLAN...oder besser gesagt WiFi. Damit kann man die Kamera per Funk ansprechen. Olympus stellt dafür eine kostenlose Android-App zur Verfügung, mit der man die Kamera fernsteuern kann, inklusive Livebild. Natürlich kann man damit auch die aufgenommen Bilder auf sein Handy übertragen. Funktioniert wirklich gut.

Aufnahme über Olympus Image Share App für Android

Ein alter Bekannter :) Diese Aufnahme im Zimmer meines Sohnes habe ich vom Garten/Terrasse aus gemacht...also von dort ausgelöst. Dazu habe ich die WiFi-Funktion der Kamera aktiviert und die vorher etwas umständlich installierte Android-App auf meinem Handy (Sony Ericsson Arc S) verwendet.



Die Installation war deswegen umständlich, weil die Installation immer mit dem Hinweis auf angeblich zu wenig Speicher abgebrochen ist. Ich musste zuerst eine andere fette App löschen, dann ging es. Merkwürdig: die fette App ließ sich danach wieder problemlos installieren und auch der Platzbedarf der Oly-App war so gering, dass da was nicht stimmen kann mit der Installationsroutine.

Ausschnitt aus dem vorherigen Bild mit Fernauslösung, Objektiv Panasonic 100-300

Mir ging es hier nur um die Fernsteuerfunktion. Man kann den Fokuspunkt einstellen, alle wichtigen Parameter und natürlich auslösen. Damit braucht man dann keinen gesonderten Kabel- oder Fernauslöser mehr, wenn man Langzeitbelichtungen vom Stativ macht. Außerdem kann man durch das sehr flüssige und gute Liveview-Bild auch "Spionageaufnahmen" machen ;) Man könnte die Kamera bspw. in den Garten stellen, auf ein Vogelhäuschen ausrichten und drinnen auf dem Sofa verfolgen wann ein Vogel da ist. Dann Fokuspunkt per Touch wählen und auslösen! Klingt cool finde ich. Die Reichweite lag im Haus so bei ca. 15-20 Metern, auch durch die Decke. Im freien Feld weiß ich es noch nicht...dürfte, könnte, müsste weiter sein...vielleicht 30-50 Meter?! Also bis jetzt gefällt mir das eingebaute WLAN und die App und die Möglichkeiten die sich damit ergeben. Ob das Ganze wirklich "smooth" funktioniert, wird sich noch zeigen müssen.

Eine Unschönheit ist mir allerdings schon aufgefallen: I-Shoot-Raw-Leute wie ich müssen mit JPEG+RAW leben! Selbst wenn man explizit nur RAW als Aufnahmeformat in der Kamera eingestellt hat, werden über die App getriggerte Aufnahmen mit Raw+JPEG gemacht! Warum? Wieso? Weshalb? Okay, das sie keinen RAW-Konverter für's Handy programmieren wollten oder konnten, kann ich ja noch verstehen, aber im RAW ist auch ein Vorschau-JPEG drin, welches auch für die Vorschau auf dem Display der Knipse verwendet wird. Das hätte es doch getan oder nicht?!

Okay, was gibt es sonst noch so...die Menüs sind immer noch umständlich, unverständlich und ich suche mir immer noch einen Wolf in dem Wust. 

Kommen wir nun zu den ersten Aufnahmen. Da sich der Sensor nach meinem Kenntnisstand nicht von dem alle anderen aktuellen (inkl. der E-PL5) Modelle unterscheidet, habe ich hier keine Überraschungen erwartet, weder positiv, noch negativ. Das Grundrauschen bis ISO 200 ist immer noch deutlich in den Rohdaten zu sehen und der Dynamikumfang kann nicht mit D800 und Co. mithalten. Helle Verläufe wirklich flach und in dunklen Bereichen kämpft man mit relativ viel Rauschen und wenig Reserven was das nachträgliche Wiederaufhellen angeht. Aber gut, für das was diese Kamera ist, ist das schon auf einem guten Niveau und entspricht wohl einfach den physikalischen Gesetzmäßigkeiten der aktuellen Technologie. Wenn man sich ein wenig Mühe bei der Motivwahl und der Belichtung gibt, bekommt man schon extrem gute Bilder heraus, die z.B. locker so gut sind, wie der Output von APS-C-Sensoren der, sagen wir mal, vorletzten Generation.

Einer der ersten Aufnahme mit Kit-Objektiv 14-42 EZ
Da ich die Kamera nur mit Kit-Objektiv Oly 14-42 bekommen konnte, habe ich damit natürlich auch gleich mal ein paar Probeaufnahmen gemacht.  

Bevor ich es total vergesse: Alle hier gezeigten Aufnahmen, außer es ist anders angegeben, sind bearbeitet! Ich fotografiere grundsätzlich nur Raw und bearbeite die Bilder nach meinem Geschmack und Kenntnisstand mit Lightroom am PC. Damit fallen natürlich optische Fehler der Objektive und der Kamera teilweise nicht mehr auf, bzw. ich füge bewusst Dinge wie Vignettierung hinzu. Damit sind die Bilder nicht als Testbilder für die Güte von Objektiv oder Kamera zu verstehen. Vielmehr zeigen die Bilder einfach was ich aus den Aufnahmen gemacht habe.


Das 14-42 "Pancake" liefert recht brauchbare Ergebnisse. Ist mir persönlich aber insgesamt zu weich und zu dunkel was die Blendenöffnung angeht. Aber der Brennweitenbereich von auf Kleinbild umgerechnet 28-84 mm ist schon sehr praktisch. Es ist außerdem ein Powerzoom, also Zoom über Elektromotor. Praktisch für Video, unpraktisch für Fotos. Wobei man damit leben kann (die Geschwindigkeit lässt sich im Kameramenü verstellen).


Freistellungspotential ist natürlich extrem gering. Rechnung: 42 mm => max. Blende f=5.6 => Kleinbild f=11!!! Da muss man schon nah ran ans Motiv und dahinter muss viel Platz sein. Aber für Stadt, Land, Fluss bei Sonnenschein sicherlich ein praktisches Objektiv.


Der Bildstabilisator der E-PL5 war in meiner Augen bestenfalls unnütz, im schlimmsten Fall aber destruktiv! Das scheint sich bei der E-M10 geändert zu haben. Zwar verwenden beide den per Definition schwächeren 3-Achsen-Stabi, im Gegenteil zum 5-"Achsen"-Stabi der E-M5 oder der neuen E-M1, aber irgendwie funktioniert das nun besser. Zumindest für mich. Verwackeln ist eine eher persönliche Angelegenheit ;) Ich sehe erstmal immer noch nicht die Leistung von In-Objektiv-Stabis wie beim Nikkor 70-200/2.8, aber es funktioniert nun halbwegs gut. Vielleicht liegt das auch an der neuen Einstellung, durch die der Stabi anspringt, sobald man den Auslöser halb drückt. Damit hat man dann ein stabilisiertes Sucherbild und kann ein wenig "einschwingen". Das ist bei den Nikon Objektiven mit Stabi immer so (oder auch Canon), aber bei der E-PL5 wurde nur nach dem Auslösen stabilisiert. Zwar gehen immer noch ganze Serien den Bach herunter, aber ich habe insgesamt ein besseres Gefühl mit dem neuen(?) Stabi.

Nachtrag: ich habe heute mal den Stabi im Objektiv des Panasonic 100-300 mit dem Inbody-Stabi der E-M10 verglichen und war überrascht. Der Inbody scheint erheblich besser zu sein! Gut, der Stabi im Pana war für mich noch nie sonderlich gut, aber bei der E-PL5 war bei 100 oder mehr Millimetern gar nichts mehr zu wollen.

Auch gibt es nach dem Firmware-Update auf Version 1.1 die Möglichkeit dem gefürchtetem Shuttershock ein Schnippchen zu schlagen. Was das ist? Nun ja, man sagt gerade den kleinen mFT-Kameras nach, dass der ja immer noch mechanische Verschluss bei bestimmten Belichtungszeiten zu einer Erschütterung führt, welche die Aufnahmen verwackeln kann. Ich konnte das nie so 100% dingfest machen, aber ich meine gerade im Bereich von 1/125 - 1/160 verwackelt man ungewöhnlich viele Aufnahmen, mit oder ohne Stabi. Auch bei Tele sieht man oft Mikroverwackler, die eigentlich nicht vom Geschwanke des Kamerabedieners stammen können.
Mit der neuen Firmware gibt es die Möglichkeit eine 0-Sekunden(!?) Verzögerung einzubauen. Soweit ich das verstanden habe, wird dabei bis zu einer Zeit von 1/320 der elektronische Verschluss statt des mechanischen verwendet...ich kann das weder hören, noch ist mir wirklich klar, wie das gehen soll. Zumindest scheint es sich nicht um eine Verzögerung zu handeln. Außerdem gibt es im Menü auch eine Einstellung um die Zeit zwischen drücken des Auslösers und der tatsächlichen Auslösung zu verlängern. Das ist standardmäßig eingestellt! Dabei werden die sich auch was gedacht haben ;) Die Kamera ist halt extrem klein und leicht und da sorgt die Erschütterung vom Anwender und dem mechanischen Verschluss halt für...Verdruss :)

Mit Lightroom 5.6 bearbeitet Aufnahme - Restaurierung der Lichter, Aufhellung der Schatten, uvm.

Die Dynamik und das Rauschverhalten sind gut. Nicht so überragend wie bei entsprechenden Kleinbildknipsen, aber man kann damit schon was anfangen. Hier eine typische Situation. Blauer Himmel, von der Sonne angestrahlte Hauswand und im Schatten liegende Teile. Man kann aus dem Raw noch genug herausholen. Zum Vergleich die unbearbeitete Aufnahme:

Unbearbeitete Rohfassung vom vorherigen Bild
Hier sieht man nur einen konturlosen, blassen Himmel und der im Schatten liegende Bereich ist mehr oder weniger "abgesoffen". Natürlich verstärkt man durch das Aufhellen der dunklen Bereiche das immer vorhandene Rauschen. Im Gegensatz zur D800 hat man hier auch viel mehr Probleme. Aber der 36 MP-Sensor der D800 ist da aktuell ohnehin eine Ausnahmeerscheinung. Ich würde sagen: mindestens so gut wie bei der E-PL5...vielleicht sogar besser, wird sich zeigen.


Hier noch ein wenig mit Kitscherbe und Stabi.


Äh ja...okay ;)


Hier noch mal ein Beispiel für die zu erreichende Dynamik, also der Differenzierung von hell und dunkel belichteten Stellen im Bild.

ISO 1600, LR
Dieses zugegeben hässliche Foto ist in ISO 1600 aufgenommen. Das war bis jetzt immer die Grenze für mich bei mFT, bzw. bei der E-PL5. Bei der E-M10 bin ich mir da noch nicht so ganz sicher. KÖNNTE sein, dass 3200 noch "gehen". Das ist aber immer so Motiv- und Aufnahmeabhängig, dass ich da noch keine abschließende Aussage zu machen mag. Das Rauschen hängt nicht nur vom Sensor ab, sondern auch von der Elektronik dahinter, bzw. heute auch teilweise im Sensor. Falls der Sensor noch zu 99% gleich sein sollte, könnte zumindest die Ausleseelektronik oder die magische Vermurksung der Raws dahinter schon ein wenig besser sein. Raw ist heute ja nicht mehr wirklich "roh". Ich glaube, dass kann man extrem bei den aktuellen Fujis sehen.

Objektiv: Panasonic 100-300 @ 100mm, f4.0
Ich liebe und hasse das Pana 100-300. Ich liebe es, weil es die maximale Brennweite ist, die ich im Schrank habe, immerhin 600 mm auf Kleinbild gerechnet und ich hasse es, weil mit keinem anderen Objektiv dermaßen viele Aufnahmen nichts werden. Das liegt schlicht an der Brennweite. 600 mm ist weder mit dem im Objektiv eingebauten (eher mauen) Stabi, noch mit dem auch nicht wirklich gut für Super-Tele ausgelegtem Stabi der Kamera brauchbar (*). Man braucht schon min. 2 x Brennweite-Äqui_KB  bei dieser Linse...ich zumindest. Also ist man locker bei 600  * 2 = ca. 1/1250. Diese Zeit erreicht man oft nicht bei geringer Verstärkung.

(*) siehe Nachtrag oben. Der Stabi der E-M10 scheint, vielleicht auch in Verbindung mit der Anti-Shuttershock-Einstellung doch sehr brauchbar zu sein, so dass man...ich damit wohl doch mal weiter Experimentieren werde.


Aber zumindest hat es mit der etwas griffigeren E-M10 und dem vielleicht besseren Stabi (hier eigentlich unnötig) für eine Menge an wirklich scharfen Bildern gerreicht.


Ein...nein, der Hauptgrund für mein Upgrade von E-PL5 zu E-M10 war ja die bessere Bedienung dank der 2 Einstellräder. Die haben mir bis jetzt auch wirklich Spaß gemacht. Zwar ist mir das hintere Einstellrad zu weit weg, aber die Möglichkeit die beiden FN-Buttons und den Record-Button selber programmieren zu können, sind sehr fein.


Die Kontrolle über Blende/Zeit und Belichtungskorrektur zu haben, ohne die Kamera vom Auge nehmen zu müssen, ermöglicht ein viel flüssigeres Arbeiten.



Das hier ist kein Beispiel für ein Effektprogramm der E-M10, sondern zuhause am PC gemacht. Ich habe aber trotzdem ein paar der Motiv- und Effektprogramme ausprobiert. Insgesamt fand ich die Möglichkeiten recht nett, aber nichts hat wirklich meinen Geschmack getroffen, bzw. die Parameter die man beeinflussen kann, waren mir zu wenig. Da fummel ich doch lieber zuhause am PC herum und habe alle Möglichkeiten, die mir eventuell auch erst lange Zeit nach der Aufnahme einfallen.


Gerade wenn man die Kamera aus der Hand ruhig halten muss, weil keine Zeit, Lust für ein Stativ vorhanden ist, kommt es auf das Gehäuse an. In diesem Fall ist dann (leider) groß und schwer doch besser. Eine Verbesserung die ich mir von der Neuen erwartet hatte, war die bessere Handhabung. Ich würde sagen: ja, ein wenig besser ist es. Ich hatte an meiner E-PL5 noch eine Gariz-Lederhalbschale mit Alu-Boden, mit der die Kamera etwas höher, griffiger und schwerer ist. Aber so richtiges gutes Feeling kam damit nicht auf. Bei der Neuen ist es nicht viel anders. Zwar kann man sie fest greifen, aber so wirklich liegt sie nicht in der Hand. Zu klein, zu kantig, Handballen und Finger wissen nicht so richtig wo hin. Ich habe übrigens trotz meiner Größe eher kleine und zarte Hände. Die kleinen Knöpfe der Kamera bereiten mir keine sonderlichen Probleme.


Was ich als größte Stärke dieser Kamera, bzw des System ansehe, ist die Kompaktheit.
Man hat eigentlich alles was man so braucht im Westentaschenformat. Sogar Freistellung ist meistens noch aussreichend und die Objektive, zumindest die Festbrennweiten sind gut bis sehr gut. Man kann also (fast) alles damit machen, was man auch mit Kleinbild machen kann, nur mit einem Bruchteil an Volumen und Gewicht. Eine "Damenhandtasche" mit 4 Festbrennweiten + Kamera + Zeugs + gutes Reisestativ und man ist gut gewappnet für so ziemlich alles.

Auch die elektronischen Anzeigen gefallen mir sehr gut. Man kann die Belichtung schon vor der Aufnahme sehen, das Display hochklappen, sogar bei Langzeitbelichtungen den Fortschritt der Belichtung sehen (wovon ich aber abrate, weil es das Rauschen verstärkt!).
Neben Langzeitbelichtung mit oder ohne Fortschrittsvorschau gibt es nun auch noch ein gänzlich neues Feature: Live Composite. Ich konnte das bis jetzt noch nicht sinnvoll anwenden, aber es klingt sehr interessant. Kurz: Statt einer einzigen langen Belichtung, werden viele Belichtungen mit wählbaren Zeiten zwischen 0,25 Sekunden und 60 Sekunden aufgenommen und automatisch zu einem Raw(!) verrechnet. Der Clou bei der Sache ist, dass die erste Aufnahme korrekt belichtet wird und von den folgenden Aufnahmen nur noch die Änderungen im Motiv hinzuaddiert wird. Klingt verwirrend? Ja, ist es irgendwie auch. Beispiel: Beleuchtete Stadt bei Nacht und Feuerwerk. Will man sehr viele der Feuerwerksexplosionen auf einem Bild zusammenfassen, muss man eine Langzeitbelichtung machen. Das Problem dabei, wählt man die Belichtungszeit zu lang, werden die Gebäude überbelichtet. Wählt man passend, bekommt man entweder nur sehr wenige Explosionen auf das Bild oder diese sind zu dunkel. Mit Live Composite wird nun bei der ersten Aufnahme korrekt für die Gebäude belichtet. Jede weitere Aufnahme, mit der gleichen Belichtungszeit, Blende und ISO wird so hinzuaddiert, dass nur Änderungen gegenüber der ersten Aufnahme berücksichtigt werden. Damit sollte man dann also selbst nach vielen Minuten eine korrekt belichtete Skyline bekommen und eine Menge an hofffentlich auch sinnvoll belichteten Feuerwerksexplosionen. Weitere Beispiele die man inzwischen auch im Netz finden kann, sind Startrails oder auch diese beliebten Aufnahmen von verkehrsreichen Straßenschluchten in Großstädten, wo man dann nur die Lichtbänder der Autos sieht.



Dieses Bild hat jetzt keinen Bezug zu dem Thema was ich jetzt ansprechen will. Aber ich hatte wie gesagt noch nicht allzu viel Zeit und Gelegenheit. Es geht um den kontinuierlicher AF, kurz AF-C. Dieser ist wie bei der E-PL5 auch wieder vorhanden, aber eigentlich auch nicht.
Sich schnell bewegende Objekte sind auch mit der E-M10 nicht wirklich ein Spaß. Grund: der aus meiner Sicht immer noch unbrauchbare AF-C. Im Gegensatz zur E-M1 (Eins), die einen aus den Spiegelreflexkameras bekannten Phasen-AF hat (im Sensor integriert), muss man bei der E-M10 mit dem reinen Konstrast-AF auskommen. Dieser ist zwar extrem präzise wenn es um statische Motive geht (besser als bei Spiegelreflex unter den meisten Bedingungen!), aber ziemlich überfordert, wenn sich was bewegt (zur Kamera hin oder weg). Das ist Prinzipbedingt und weder ein Problem der Kamera noch des Herstellers. Beim Phasen-AF der Spiegelreflex-Knipsen kann die Bewegungsrichtung nachvollzogen werden, um es mal extrem einfach auszudrücken. Beim Kontrast-AF muss immer wieder ein "Sample" genommen werden, so dass man es mit einem Herumgeeiere zu tun hat. Der Fokus fährt vor und zurück, vor und zurück...usw., statt das bewegte Motiv zu verfolgen. Mit sehr beherztem, schnellem Abdrücken kann man aber mit Kontrast-AF auch "Action" aufnehmen, wenn auch eingeschränkt; Serien gehen meistens nicht. Das stellt jetzt für mich aber kein Problem dar. Ich wüsste, dass es da keine Verbesserung zu E-PL5 geben kann und wäre mir AF-C bei diesem System wichtig, würde ich die E-M1 nehmen. Da ich aber auch noch Spiegelreflexkameras verwende, reicht mir der gut funktionierende AF-S aus.


Was mich am mFT-Format auf der einen Seite beglückt und auf der anderen Seite nicht, ist die Schärfentiefe. Also die Ausdehnung der als scharf gezeichnet wahrgenommenen "räumlichen" Ausdehnung in einem Bild. Bei Kleinbild oder erst recht bei Mittelformat ist diese Ebene bei gleicher Blendenzahl sehr viel kleiner. Damit lassen sich oft spannende oder notwendige Staffelungen, bzw. "Freistellungen" erzielen. Bei mFT ist man aufgrund des Sensorformats 2 Blendenstufen gegenüber Kleinbild im "Nachteil". Anders formuliert: die Ausdehnung des scharfen Bereichs in der räumlichen Tiefe eines Motivs bei mFT ist zweimal kleiner als bei einer Kleinbildkamera bei gleichen Parametern. Die Kehrseite der Medallie: wenn ich einmal mehr Schärfentiefe möchte, z.B. bei Landschaftsaufnahmen, bin ich mit mFT besser bedient.





Wirklich toll finde ich immer wieder die Auswahl an Brennweiten die man in einer kleinen Tasche mit sich herumtragen kann. Ich kann aktuell den Bereich von 14 bis 300mm (entspr. 28 - 600mm) in eine kleine Tasche bekommen, bestehend aus nur einem Zoom und mehreren Festbrennweiten wohlgemerkt! Das wäre mit dem Kleinbildgeraffel ausgeschlossen. Da müsste man schon einen sehr großen Rucksack nehmen.


Vielleicht noch ein wenig zum Setup der Kamera. Man kann zwei Funktionsbuttons frei belegen. Wobei frei jetzt eigentlich falsch ist. Besser: man hat eine recht große Auswahl an Funktionen aus der man wählen darf. Wobei mir da schon wieder welche fehlen. Außerdem kann man den Record-Button, der im Werkszustand für Videoaufnahmen belegt ist, ebenfalls nutzen. Ich habe auf den FN1-Button ein Schnellmenü gelegt, mit dem durch das vordere Einstellrad die ISO-Einstellung und mit dem hinteren den Weißabgleich einstellen kann. Auf FN2 habe ich Schärfentiefevorschau gelegt und auf den Record-Button die Rücksetzung des AF-Feldes auf die Mitte. Ob das der Weisheit letzter Schluss ist, wird sich noch zeigen.


Ein neues Feature bezüglich der E-PL5 ist eine elektronische Wasserwaage. Wirklich verwendet habe ich diese noch nicht. Es gibt sogar eine Kalibrierungsfunktion, wobei ich jetzt nicht weiß, ob das mein Vertrauen in die Genauigkeit der Wasserwaage nun steigern soll oder nicht ;) In meiner Nikon ist auch vergleichbare Wasserwaage vorhanden, allerdings ohne die Möglichkeit diese zu kalibrieren und wirklich genau scheint mir die nicht zu sein. Zumindest richte ich dort lieber per Augenmaß aus und bilde mir ein, dass ich damit oft das bessere Ergebnis erziele. Letztendlich kommt es bei der Aufnahme auch nicht auf 0,1 Grad an, da man dass am Rechner einfach wieder geraderücken kann.

"Es ist später als du denkst"

Gerade in sehr ruhiger Umgebung bemerkt man, die E-M10 ist keine wirklich leise Kamera. Damit meine ich nicht nur den deutlich vernehmbaren mechanischen Verschluss, dessen Geräuschentwicklung für mich identisch zur E-PL5 ist und damit schon eher "laut" ist, sondern auch die Sensorstabilisierung. Auch bei abgeschaltetem Stabi surrt die Kamera hörbar. Dieses Phänomen hat bei der E-M5 für einige Seiten ans Diskussion in den einschlägen Foren gesorgt. Ich meine sogar mal gelesen zu haben, dass jemand einen Lüfter(!) in der Kamera vermutet hat, der dieses Surren verursacht. Tatsächlich ist es wohl die elektromagnetische Aufhängung des Sensors die man hört. Der Sensor ist nicht fest angebracht, sondern beweglich, weil es für die Stabilisierung notwendig ist. Auch ohne eingeschaltete Stabilisierung muss der Sensor in Position gehalten werden und erzeugt ein Geräusch und vebraucht natürlich auch Strom! Mich stört das Geräusch ein wenig. Nicht weger der Lautstärke, sondern weil es unangenehm klingt und einen ständig daran erinnert, das die Knipse permanent den Akku leersaugt.

Daumenregel: Schnee, Strand, weißer Grabstein => +1 Blendenstufe ;)

Die Belichtungsmessung und damit die korrekte Ermittlung von Belichtungszeit und Blendeneinstellung ist eine der wichtigsten techn. Teildisziplinen bei der Fotografie. Bei einer Spiegelreflexkamera braucht es dazu viel Erfahrung, bzw. Gottvertrauen in die Belichtungsmessung der Kamera und eine Hand voll an Daumenregeln. Bei einem elektronischen Sucher sieht man die Belichtung ja schon vor der Aufnahme, so dass es keine große Überraschung geben kann. Neben einem Livehistogramm kann man sich auch Über- und Unterbelichtungswarnungen anzeigen lassen, bei denen die betroffenen Motivstellen entsprechend eingefärbt werden. Das nimmt schon ein wenig die Spannung ;) Was mir hier wieder auffällt: die Belichtungsmessung ist sehr, sehr gut! Besser als bei meiner D800, auch wenn sie dort schon exakt und zuverlässig arbeitet. Der Vorteil das Gesamtbild auswerten zu können, ist der Methode eines dedizierten Sensors wohl überlegen. Auch beim automatischen Weißabgleich ergibt sich eine bessere Leistung. Meistens weicht der Weißabgleich nur wenige Kelvin von der Automatik oder Pipettenmessung in Lightroom ab. Das ist bei der D800 teilweise schon anders.


Wieder mit an Board ist die Möglichkeit die Updategeschwindigkeit (Framerate) des Suchers zu erhöhen. Damit wird auch die Geschwindigkeit des AFs ca. verdoppelt! Nachteil: die Auflösung und damit der Detailgrad der Sucherdarstellung sinkt ab. Kleine Details wirken unscharf, bzw. sind nicht mehr zu erkennen. Man sollte sich also immer überlegen, was einem gerade wichtiger ist: ein klareres Sucherbild oder ein schnellerer AF, bzw. eine höhere Bildwiederholrate um schnelle Motive besser verfolgen zu können. Diese Libelle hier war allerdings beim Sonnenbad, daher kein Grund für die schnelle Framerate.


Der exakte Autofokus gefällt mir wieder sehr gut. Ist das Motiv groß genug, kann man zu fast 100% von einem Volltreffer ausgehen, egal welche Brennweite oder Blende, bzw. Schärfentiefe. Was dagegen nicht gut funktioniert, sind kleine Ziele. Obwohl man auch bei der E-M10, wie schon bei der E-PL5, kleine Fokusfelder einstellen kann, reicht das oft nicht aus. Im nachfolgenden Beispiel, zugegegben schon etwas extrem, zeigt sich das Problem sehr deutlich.


Das eigentliche Ziel ist zu klein, bzw. filigran und der Hintergrund nicht homogen genug. Trotz kleinem Fokusfeld habe ich bestimmt 10 Anläufe gebraucht, bis der Fokus an der richtigen Stelle saß. Ist einem der Fokus erstmal auf das Gebüsch dahinter abgehauen, hilft es auf den Boden in der Entfernung der Pflanze zu zielen, um eine brauchbare Ausgangssituation für den nächsten Versuch zu haben. Mit einer Spiegelreflex mit Phasen-AF trifft man das hier auch nicht immer im ersten Versuch, aber doch deutlich einfacher und schneller.


Bei sich nur langsam bewegenden Objekten und passender Schärfentiefe, kann man einfach den Auslöser in AF-S schnell durchdrücken. Allerdings sollte man dabei aufpassen nicht zu verwackeln. Der Auslöser der E-M10 hat für mich, wie bei der E-PL5, einen zu harten Druckpunkt. Man bricht mehr oder weniger durch, wenn man von halb auf voll durchdrückt. Vielleicht würde ein besserer Auslöser mehr bringen, als die elektronisch eingebaute Verzögerung (im Menü abstellbar)?


Fazit (vorläufig):
 
E-PL5 in neuem Gewand? Ich denke jein. Zwar sind die Unterschiede auf dem Datenblatt jetzt nicht überwältigend, aber neue Features, neuer Prozessor, anscheinend besserer Stabilisator, eingebauter Blitz und Sucher und eine definitiv bessere Bedienung sind schon klarer Vorteile für mich. Das der Sensor aus der E-M5 und damit wohl auch aus der E-PL5 stammt, stört mich nicht wirklich. Einzig der Dynamikumfang dürfte für mich größer sein und das Rauschen bei Basis-ISO geringer. Aber das wird wohl noch 1-2 Kameragenerationen bei mFT auf sich warten lassen und solange kann ich gut damit leben. Möglicherweise wird die nächste Spiegellose auch schon eine Kleinbildkamera, idealerweise von Nikon, wer weiß.

Mir fällt positiv auf:
-Sucherdarstellung sehr flüssig und Helligkeit wird automatisch angepasst, so dass eine sehr
 viel bessere Sicht auch bei Sonnenschein vorhanden ist
-2 Einstellräder für z.B. Blende und Belichtungskorrektur bei Modus "A"
-4-Wege-Steuerkreuz besteht nur noch aus Buttons, kein Rad mehr, lässt sich für mich besser bedienen
-2 Funktionsbuttons und Record-Button können umkonfiguriert werden, z.B. für Zugriff auf ISO/WB
-eingebauter Ausklappblitz mit Remotefunktion
-für mich nun brauchbarer Bildstabilisator im Gegensatz zu dem der E-PL5
-elektronische Maßnahmen gegen Shuttershock (Firmware 1.1) und durch Auslösung induzierte Erschütterungen (Verzögerung der Auslösung)
-neue Features wie Live Composite
-WiFi mit brauchbarer Android-App für Fernsteuerung inkl. Livebild und Bildtransfer auf's Handy
-kompaktere Baumform durch eingebauten Sucher im Vergleich zur E-PL5 mit Aufstecksucher


Mir fällt negativ auf:
-deutlich kleineres Sucherbild im Vergleich zum VF-4-Aufstecksucher (entspricht wohl dem der E-M5)
-im Suchermodus "Framerate = high" verringerte Auflösung/Schärfe (wie bei VF-4 an E-PL5)
-schlecht platzierter und fummeliger Ein-/Ausschalter
-Daumenrad ist ungünstig platziert, so dass man sich strecken muss
-Einstellung von z.B. ISO trotz Buttons nur indirekt, kein: "Button X gedrückt halten und Rad drehen", sondern Aufruf eines Minimenüs und dann Rad drehen => dauert einen Tick länger
-elektromagnetische Sensoraufhängung erzeugt Geräusch, auch wenn der Stabi deaktiviert ist
-schlechter Halt durch zu kleine Gehäuseform/Griffe und teilweise ungünstig angebrachte Bedienelemente
-Akkulaufzeit noch schlechter als bei E-PL5 (ohne Sucher), das ständige ein- und ausschalten nervt mich gewaltig, vor allem weil der Schalter auch noch so schlecht ist

Insgesamt überwiegen die positiven Aspekte. Sonst hätte ich mir die Kamera auch nicht gekauft :)
Nicht perfekt, aber welche Kamera ist das schon? Ich denke man hat hier wirklich sehr viel Kamera in die kleine Bauform gequetscht, mit der auch erfahrene Fotografen gut auskommen können. Wer hauptsächlich bewegte Motive fotografiert, ist sicherlich mit der E-M1 oder einer guten Spiegelreflex besser bedient und wer sehr viel Dynamik und wenig Rauschen und Bearbeitungsreservern braucht, nimmt wohl besser den aktuellen 36 Megapixel-Sensor in einer Nikon oder Sony (oder was es da auch vergleichbares von anderen Herstellern geben mag).

Ich bin mal gespannt, was ich sinnvolles mit dem Live Composite-Feature anstellen kann. Habe da schon ein paar nette Beispiele gesehen. Falls ich was hinbekommen sollte, werde ich berichten.

Danke und viele Grüße,
Gordon