Dienstag, 1. Juli 2014

Sigma Art 50 1.4 - Erste Bilder mit dem Hype-50er

Heute mal wieder ein kleiner Bericht zu einem Objektiv. Diesmal das Sigma Art 50er oder wie es genau heißt: Sigma 50mm F1,4 DG HSM [A]...oder wie auch immer ;)

Das Objektiv wurde nach dem sagenhaften 35 mm 1.4 Art erwartet wie kein anderes. Auch ich war mehr als gespannt auf das neue "Art", denn das 35er ist wirklich eine Klasse für sich (siehe http://gstoever.blogspot.de/2013/04/sigma-35mm-f14-dg-hsm-art-allererstes.html).

Ich habe zwar noch nicht allzu viele Bilder damit machen können, aber ich nehme die Spannung gleich mal weg: das Teil ist genauso klasse wie das 35er! Eigentlich kann ich alles was ich für das 35er geschreiben habe auch hier wieder reinkopieren. Das spare ich mir aber jetzt mal.

Sigma 50/1.4 Art bei f1.4
Das Ding liefert schon bei Offenblende mehr Kontrast und Schärfe als die meisten Objektive die ich habe oder hatte abgeblendet. Hier ein starker Ausschnitt aus dem Bild oben...Blende 1.4 wohlgemerkt:


Nun ist Stein bei so einem Licht nicht wirklich ein gutes Testmotiv wenn es um die erreichbare Auflösung oder störende Größen wie Farbfehler geht, aber man sieht schon wohin die Reise geht. Es ist eines dieser wenigen Objektive wo ich oft nach der Kontrolle eines Bildes nachschaue, ob wirklich Blende 1.4 (oder eine andere Offenblende) eingestellt ist und nicht etwa 2 Blendenstufen mehr.


Nach dem Steinmann der Metallmann, auch wieder f1.4 und folgend ein Ausschnitt:


Was ich vergessen habe zu erwähnen, die Bilder sind bearbeitet! Es sind KEINE reinen Testbilder. Ich habe (und hatte) einfach keine Lust reine Testbilder zu machen. Mir ist es viel wichtiger was bei den Aufnahmen die ich so mache am Ende für ein Ergebnis erzielbar ist.


Ein Objektiv mit Anfangsblende 1.4 verwendet man natürlich auch gerne um mit Unschärfe vs. Schärfe zu spielen und so bestimmte Dinge in einem Gesamtbild hervorzuheben. Das geht mit dem 35er wunderbar und auch das 50 liefert sehr gute Ergebnisse in meinen Augen. Zumindest weit besser als alles was meine anderen 50er als Bokeh abliefern, vom AI-s 50/1.2 vielleicht mal abgesehen, wobei das auch keine Wunder vollbracht hat. Also auch hier 100 Punkte für das Sigma. Die Schärfe ist gnadenlos, die Unschärfe schön anzuschauen, Kontraste und Farbe sind klasse...was will man mehr?


Also ich will eine D800 mit besserem Autofokus ;) Bei 50/1.4 und kleineren oder schwierigeren Zielen haut die D800 schon gerne mal daneben. Bei schlechtem Licht meistens Frontfokus, bei normalem Licht wird oft der Hintergrund zum Hauptmotiv erklärt...Scheunentor ist unproblematisch...wenn man direkt davor steht ;)
Okay, ganz so schlimm ist es nicht, aber der AF bei 1.4 sitzt nicht immer problemlos, weder bei den beiden Sigmas noch beim Nikkon 85/1.4 und auch nicht bei den 2.8-Zooms, wobei es dort oft nicht so sehr auffällt. Hier war das Problem, dass die Kunstblumen am Lenker wohl zu klein waren und die Steine im Hintergrund zu offensichtlich. Jedenfalls brauchte ich drei Anläufe bis der Fokus auf den Blumen und nicht auf den Steinen in ein paar Metern Entfernung saß. Na ja...manchmal verliert man, manchmal gewinnen die anderen :)

Trotzdem, wenn man sich den Ausschnitt anschaut und den Wert "f=1.4" abliest, ist man schon mehr als zufrieden:

Ich habe viel darüber gelesen, dass das Sigma viel zu groß und schwer für ein 50er sei. Sehe ich total anders. Es ist an einer Kleinbildkamera genau richtig. Mir ist z.B. das 1.8er Nikkor viel zu klein und zu leicht. Man kann die Kamera nicht gut halten und spürt richtig wie die Verschlussmechanik arbeitet, weil das geringe Gewicht keine Gegenwehr zu leisten im Stande ist. Das Sigma dagegen ist schön lang, hat einen guten Durchmesser und liegt satt in der Hand. Sicher, beim Transport wünscht man sich wieder was kleineres und leichteres, aber da gibt es heute ja komplette Systeme die das hervorragend erfüllen.


Eigentlich kein Motiv für Blende 1.4, aber man gönnt sich ja sonst nix ;) Nein, ich habe hier einfach versucht die Grabplatte (nennt man das so?) mehr in den Fokus zu rücken. Die Wirkung zeigt sich aber erst bei entsprechend großer Auflösung voll.

Blende 5.6
Bei dieser Aufnahme habe ich die Blende auf 5.6 gesetzt, was bei Kleinbild und 50 mm Brennweite, bzw. den Abständen der Objekte in dieser Szene gerade noch so ausreicht um alles scharf abzubilden. Bei 5.6 dürfte auch so ziemlich das Maximum der Schärfe in der Mitte erreicht sein, wobei auch die Ränder schon extrem scharf sind. Verzeichnung hat man übrigens keine...also keine sichtbare und auch die Vignettierung ist bei 2.0 schon so gering, dass sie kaum noch auffällt (abhängig vom Motiv).

Blende 1.4

Durch die überragende Leistung in allen Bereichen hat man die wunderbare Freiheit jede gewünschte Blende problemlos verwenden zu können, ohne Angst zu haben die Bilder könnte durch die optischen Fehler unbrauchbar oder unschön werden.

Blende 2.5
Das hier ist meiner neue Mercedes. Okay, muss mal durch die Waschstraße, aber...

Blende 2.0, künstliche Vignettierung
...dafür ist es ein Energiesparer!!! :)


Tja, was soll ich zu diesem Bild schreiben? Radtour, Bierpause ;)

AF-C bei Blende 4.5
Nach der Bierpause konnte ich mich noch aufraffen die ca. 3 Kilometer in die Innenstadt zu radeln und ein paar Probeaufnahmen bei einer Oldtimerparade zu machen. Hier ging es mir um die Leistung bei der kontinuierlichen Fokusnachführung. In dieser Disziplin sind die weit geöffneten Festbrennweiten ja oft nicht gerade ganz weit vorne und werden locker von Raketen wie dem 24-70/2.8 oder 70-200/2.8 abgehängt. Das Sigma schlägt sich hier aber noch sehr gut. Allgemein ist der AF sehr flott, kein Grund zur Beanstandung, egal ob statische oder wie hier bewegte Motive.


Die Wagen führen übrigens so um die 20 km/h (dieser hier steht noch). Also keine allzu große Herausforderung für den Autofokus könnte man meinen. Allerdings kommt es auf den Winkel und den Abstand an. Wenn man quasi von vorne und bei einem Abstand von weniger als 10 Metern den Fokus auf dem Auto halten muss, ist das schon eine Ansage und es gab auch Ausschuss. Ab ca. 5 Meter Entfernung lag der Fokus dann nicht mehr auf dem Kühlegrill, sondern schon sichtbar dahinter. Da ist dann die Kombination Kamera + Objektiv überfordert. Allerdings ist das auch so ähnlich bei den schnellen 2.8-Zooms von Nikon.


Das hier war so der kritische Bereich was Winkel (Mitzieher) und Entferung betraff. Alles was näher dran war wurde meistens zur Fahrkarte.


Mit solchen...


...oder solchen Fahrzeugen wird man also seine Probleme bekommen ;) Wenn sie denn nicht wie hier nur 20 km/h fahren.

-letztes Bild-

Fazit bis jetzt: das Teil ist ein Volltreffer! Das 35er Sigma hatte mich extrem überrascht und ist definitiv eines der besten Objektive die ich habe und trotz der damit stark gestiegenen Erwartungshaltung hat mich das neue 50er Sigma bis jetzt nicht enttäuscht. In Sachen Abbildungsleistung und Verarbeitung sind die beiden aus meiner Sicht gleichwertig. Das Sigma steckt locker jedes 50er in die Tasche, das ich bis jetzt in den Fingern hatte, egal ob mFT (um die 25 mm) oder Kleinbild oder APS-C. Ich konnte bis jetzt kein Haar in der Suppe finden, was dem Objektiv zuzuschreiben wäre. Wenn man sich vom hohen Preis nicht abschrecken lässt...also im Vergleich zu vielen anderen 50er...kriegt man sicherlich eines der besten Objektive in diesem Brennweitenbereich.

Danke und Grüße,
Gordon

Samstag, 7. Juni 2014

Carmen Brown & Band - Tanz in den Mai 2014

Mit einiger Verspätung, aber besser spät als nie ;)

Den Tanz in den Mai habe ich dieses Jahr im Haus am Walde verbracht. Dort spielte Carmen Brown & Band.


Ausnahmsweise hatte ich diesmal nicht meine große Nikon-Ausrüstung mitgeschleppt, sondern die sehr viel kleineren Olympus Micro Four Thirds Sachen. Ging trotz der schwierigen Lichtverhältnisse aber überraschend gut.


Verwendet habe ich 3 Objektive: Olympus 45/1.8 und das 60/2.8 Makro, sowie das "Pana Leica", also das Panasonic 25/1.4.


Trotz der etwas geringen Lichtstärke, hat sich das 60er Makro sehr gut für die Aufnahmen geeignet. Wie üblich bei solchen kleinen Bühnen war die Beleuchtung eher schlecht. Daher war ein Spagat zwischen ausreichend kurzer Belichtungszeit und ISOs angesagt. Da man ohne Bauchschmerzen nicht über ISO 1600 bei der hier verwendeten E-PL5 gehen kann...sollte, war das nicht immer ganz einfach. Die Trefferzahl war aber trotzdem sehr hoch.


Das hier ist kein Beispiel für ISO 1600, sondern nur mein kümmerlicher Versuch etwas auf "retro" zu machen :)


Die hohe Serienbildgeschwindigkeit ist sehr hilfreich dabei, trotz langer Belichtungszeit noch einen Treffer zu landen.



Die Band schien übrigens mit viel Spaß bei der Sache gewesen zu sein.


Was man bei dunkelhäutigen Personen immer beachten muss, ist die Belichtungskorrektur. Helle Hautfarbe passt meistens bezüglich der unkorrigierten Belichtungsmessung. Bei dunkler Haut oder allgemein bei allen Motiven die nicht dem Standardgrau entsprechen, muss man korrigieren. Allerdings ist die Spotbeleuchtung auf Bühnen oft so unberechenbar, dass man um ein paar Probeschüsse nicht herum kommt. Bei einer Kamera mit elektronischem Sucher sieht man aber ja auch vorher schon halbwegs gut wie es um die Belichtung bestellt ist.


Normalerweise würde ich immer meiner Nikon den Vortritt bei solchen Aktionen lassen, da sie im Gegensatz zur Olympus E-PL5 über einen sehr guten kontinuierlichen Autofokus verfügt. Bewegen sich die Motive sehr schnell, muss die Kamera den Fokus permament und exakt nachführen. Bei der Oly kann man sich aber damit behelfen, dass man einfach schnell abdrückt (bei AF-S, also ohne kont. Fokus)! Warum das funktioniert, weiß ich nicht genau. Es wird wohl so sein, dass der verwendete Kontrast-AF während des Auslösens sein Ziel sucht, während bei einer klassischen DSLR mit Phasen-AF die Fokussierung vorberechnet wird, so dass zwischen dem Anfahren der Fokusebene und der tatsächlichen Aufnahme eine gewisse Zeit vergeht. Der Kontrast-AF scheint dagegen bis zum letzten Moment "heranzufahren", so dass der Fokus trotz bewegtem Motiv dann sitzt.



Wirklich von Vorteil war mal wieder die unaufdringliche Größe und Gestalt des Oly-Geraffels. Man sieht damit halt aus wie jeder andere Knipser auch und nicht wie der Pressefotograf. Okay, wenn man natürlich den ganzen Abend bei der Bühne steht und ein Foto nach dem anderen macht ... ;)


Aber wenn mir was Spaß macht, kann ich halt nicht aufhören und wie fast immer bei Events entstehen so mindestens 300 oder mehr Fotos. Bei Sportveranstaltungen und den exzessiven Einsatz von Serienaufnahmen auch schon mal 1000 oder mehr!


War ein gutes Abend aus meiner Knipsersicht. Wer sich für die Band interessiert, Infos gibt es hier:
http://www.carmen-brown.com/

Danke und Grüße,
Gordon

Wofür man hochauflösende Digitalkameras verwenden kann...

z.B. für extreme Ausschnitte. Hier mal als Beispiel eine Nikon D800 mit 36 Megapixel-Sensor und einem 70-200/2.8 Telezoom.

Gesamtes Bild:

Auf diesem Suchbild wird man sicherlich erstmal nicht viel erkennen. Ich bin mal Spielverderber und löse auf ;) Man "sieht" eine Libelle. Bzw. man sieht sie eigentlich nicht, da 200 mm hier viel zu kurz waren, bzw. ich nicht näher heran konnte. Normalerweise ein Fall für die Tonne. Nun der Ausschnitt:


Das ist wirklich ein Ausschnitt aus dem Bild oben! Das läßt sich für meine Ansprüche noch locker als 20x30-Bild an die Wand hängen, eventuell sogar noch mehr.

Ich finde das immer wieder faszinierend. Die D700 mit 12 Megapixel, immerhin auch schon "zu viele Pixel" für manche Leute, würde hier kein brauchbares Ergebnis mehr liefern. Natürlich sollte man immer versuchen den richtigen Abstand zum Motiv einzunehmen oder die passende Brennweite zu verwenden, aber wenn das, aus welchen Gründen auch immer, nicht geht, kann man aus den Pixelmonstern wirklich noch eine Menge herausquetschen. Ich jedenfalls freue mich schon auf die nächste oder übernächste Generation mit 50...100 oder 200 Megapixeln. Für mich kann es gar nicht genug sein. Zumindest solange nicht, wie man noch Objektive mit ausreichender Abbildungsleistung bekommen kann, die diese Sensorauflösung auch wirklich nutzbar machen. Das Nikkor 70-200/2.8 tut es ...noch?

Grüße,
Gordon

Freitag, 16. Mai 2014

D800 Firmware-Update - Version A 1.10, B 1.10 kurz getestet



Vor ein paar Tagen ist eine neue Firmware für die D800 und D800E herausgekommen. Den Download und alle Infos des Herstellers findet man hier: Download

Für mich waren 2 Dinge interessant, weshalb ich die Firmware eben ausprobiert habe.
1) Man kann die Video-Record-Taste nun auch mit ISO belegen
2) Der Bug mit den gelegentlichen Hängern soll nun endgültig behoben sein.

Das mit der ISO-Einstellung der Record-Taste funktioniert wunderbar. Hintergrund: normalerweise kann man die ISO-Einstellung nur über das Menü oder die ISO-Taste auf der linken Schulter des Gehäuses ändern. Beides ist unpraktisch. Die ISO-Taste ist so angebracht, dass man die linke Hand vom Objektiv nehmen muss...und eigentlich auch das Auge vom Sucher. Man kann also nicht wie bei Blende und Zeit den Wert für ISO ändern, während man das Motiv im Blick behält. Legt man die Funktion auf die Record-Taste auf der rechten Seite, dicht nebem dem Auslöser, kann man die Hand am Objektiv und das Auge am Sucher lassen und sowohl den ISO-Wert verstellen (Button + hinteres Rad), also auch die ISO-Automatik ein- und ausschalten (Button + vorderes Rad); letzteres ging auch vorher schon mit dem normalen ISO-Button.

Was mit dem Bug ist, bei dem ab und zu mal die grüne Lampe (Speicherkartenzugriff) einfach anbleibt, bzw. die Kamera längere Zeit einfriert (bei mir war es teilweise sehr lang!), kann ich noch nicht sagen. Dafür tritt der Fehler zu selten auf. Wirklich häufig hatte ich den Fehler nur ganz am Anfang, als ich noch eine Sandisk-SD-Karte zusätzlich zur Sandisk-CF-Karte drin hatte (beide neu, beide teuer, beide original, beide okay). Nur mit CF-Karte tritt der Fehler so ca. alle 100 Betriebsstunden einmal auf. Also bei mir ca. alle paar Monate einmal.

Ansonsten wird noch heiss diskutiert, ob die Nikon nun die "Fokusfalle" kann oder nicht ;) Habe ich keine Verwendung für und habe ich daher auch nicht ausprobiert...wüsste noch nicht mal genau wie überhaupt.

Noch ein Satz zu Sigma-Objektiven oder genauer NUR zum neuen 35er ART. Das funktioniert bei mir nach dem Update genauso wie vorher. Eigentlich klar, aber ich erwähne das, weil ich an mehreren Stellen was von Problemen mit Third-Party-Objektiven gelesen habe. Das klingt erstmal abwegig, ist es aber wohl nicht. Bei welchen Objektiven Probleme auftreten können weiß ich nicht. Da müsst ihr bitte selber recherchieren.

Zum Abschluss noch ein paar Sätze zum Update selber. Das ist wirklich extrem einfach und unkritisch. Man lädt die Firmware-Datei herunter (vom Server des Herstellers!), startet die EXE-Datei, worauf sich das Ding in einen Ordner entpackt. Die eine einzige Datei (Endung BIN) kopiert man auf eine Speicherkarte die IN DER KAMERA formatiert wurde und noch genug Platz hat. Akku sollte voll genug sein. Karte in Kamera, im Systemmenü den punkt "Firmware-Version" und dort den Eintrag Update auswählen...der Fortschrittsbalken braucht schon ein paar Minuten bis zum rechten Rand, wie es auch dort auf dem Display zu sehen ist. In der Zeit Finger weg von der Kamera ;) Wenn dort sinngemäß steht: ausschalten, ist man fertig. Nach dem Einschalten kann man im Menü von vorher die aktuelle Version kontrollieren, die dann 1.10 sein muss.

Danke und Grüße,
Gordon

Samstag, 10. Mai 2014

Berlebach Report 332 - Erfahrungen mit einem Holzstativ

Heute möchte ich mal einen kurzen Erfahrungsbericht zu einem Holzstativ liefern. Es handelt sich dabei um dieses hier: http://www.berlebach.de/?bereich=details&id=289. Einige fragen sich jetzt vielleicht, wieso überhaupt ein Holzstativ. Schließlich verwendet man heute ja eigentlich moderne Stative aus Aluminium oder Karbon. Nun ja, Aluminium ist schon mal nicht wirklich modern. Ich habe hier ein uraltes Reisestativ von ca. 1950 aus Alu stehen. Karbon ist natürlich schon eine Ecke moderner. Aber warum nun Holz? Holz wird eine sehr gute Eigenschaft bezüglich Schwingungsdämpfung nachgesagt. Alu-Stative sind dagegen eher ungünstig. Ebenso andere Metalle, es sei denn wahrscheinlich man hat es mit einem Monster-Studio-Stativ zu tun. Hier geht es aber um transportable Stative. Karbonstative sind sehr leicht. Karbon soll auch sehr steif und vibrationsmindernd sein. Den Holzstativen wird aber eine noch bessere Eigenschaft diesbezüglich nachgesagt.

Das Berlebach ist ein aktuelles Stativ, da erst seit kürzerer Zeit auf dem Markt ist. Der Hersteller ist eine deutsche Firma mit Sitz in Mulda im Erzgebirge. Holzstative haben eine lange Tradition und wirken auf den ersten Blick auch sehr urig.

Berlebach 332 mit Kleinbildkamera auf Getriebeneiger (Manfrotto 410)

Man kann das Holz in Naturfarbe oder auch in verschiedenen Lackierungen bekommen. Ohnehin kann man extrem viele Varianten und Ausbauarten der Stative bei Berlebach bekommen, auch spezielle Varianten, z.B. für Astronomie oder Filmaufnahmen. Das Gewicht eines Holzstatives ist höher als das der Karbon-Verwandten und meistens auch als das von aktuellen Alustativen. Das 332 wiegt mit der integrierten und sehr stabiler und großer Nivellierkugel ca. 3,2 kg. Außerdem hat es kein sonderlich kleines Packmaß (ca. 90 cm). Dafür aber eine sehr gute max. Höhe von 143 cm ohne optionalen Kopf und nur einen Beinauszug, was der Aufbaugeschwindigkeit und Stabilität zugute kommt.

Berlebach im sumpfigen Gelände

Ich habe sehr lange Zeit gar kein Stativ verwendet (ein billiges Alustativ lag als Staubfänger jahrelang im Schrank oder stand in der Ecke). Und eigentlich hatte ich auch keine echte Verwendung dafür, da ich am liebsten Sport oder andere Events fotografiert habe oder halt einfach so Dinge aus der Hüfte, die mir gerade beim Umherlaufen interessant erschienen. Das änderte sich aber, als ich die Langzeitfotografie anfing interessant zu finden. Bei Belichtungszeiten von >1 Sekunde kommt man nicht mehr ohne Stativ aus. Auch Landschaftsaufnahmen wurde immer wichtiger für mich und dort hat man viel Zeit und kann mit einem Stativ bessere Ergebnisse erzielen.

Langzeitbelichtung mit Stativ - 10 Sekunden, rangierendes Binnenschiff bei Nacht

Spätestens nach meiner ersten Kleinbildkamera mit entsprechend großen und schweren Objektiven, war das kleine Alustativ nicht mehr wirklich zu gebrauchen. Auch eine etwas bessere Variante, die ich mir dann angeschafft hatte, war nicht wirklich stabil genug. Schon ein leichter Windstoß und die Sache hatte eine unerwünschte Dynamik. Ich habe daher ewig lang recherchiert welches Stativ ich verwenden soll. Zunächst habe ich mir ausschließlich die aktuellen (und teuren) Karbonstative angeschaut. Diese sind natürlich sehr schön leicht und meistens auch sehr klein für den Transport (Radtouren!). Allerdings wollte ich weder 500 bis 1000 € ausgeben, noch irgendwelche Kompromisse bezüglich stabilität und Schwingungsdämpfung eingehen. Ich bin dann irgendwann bei den Astro-Freaks auf den Namen Berlebach gestoßen. Bei Teleskopen, gerade bei Video- oder Fotoaufnahmen, spielt die Stabilität des Stativs eine enorme Rolle. Die durchweg guten Stimmen zu einem Holzstativ und speziell dieser Marke, haben mich dann neugierig gemacht. Nun gut, lange Rede, kurzer Sinn, ich habe nun seit einiger Zeit ein Berlebach und kann eigentlich nur in den Lobgesang mit einstimmen.

Die Fakten:
-Material: Holz (Esche) und Metall, sowie Kunstoff (Griffe)
-max. Höhe 143 cm, min. Höhe 8 cm (mit entsprechend gespreizten Beinen)
-Transportlänge: ca. 90 cm
-fest verbaute, sehr stabile Nivellierkugel (55 mm Durchmesser)
-Große Plattform für Köpfe (ca. 60mm Durchmesser)
-Dosenlibellen auf Basis und Plattform
-3/8"-Anschluss, mit federnd gelagerter Feststellschraube (Griff unter der Basis)
-1 Beinauszug/Segment
-bis 12 Kilo belastbar (laut Hersteller)
-Zentimeterskalen auf den Beinauszügen
-Beinstellungen mit Einhandarrettierung ("Flügelraster") von 20, 40, 60, 80 und 100 Grad
-Gummifüße und Spikes (kombiniert, herausdrehbar)
-Preis ca. 250 €


Die Beine sind ungewöhnlich breit oberhalb des Auszugs und wirken nicht nur sehr stabil, sie sind es auch. Die Arretierung des Auszugs erfolgt über eine einfache und so wie ich es bis jetzt erfahren habe sehr unverwüstliche Methode. Über die Metallklammer und die Schraube wird das mittlere Beinsegment zwischen den beiden äußeren eingeklemmt. Hält bombenfest, selbst wenn man nicht sehr stramm anzieht. Gelöst gleitet das Ganze sehr gut, auch bei Nässe, Kälte oder Wärme.


Hier sieht man ganz gut die Zentimeterskala. So kann man alle drei Beine auf die gleiche Länge ausziehen, wenn man nicht bis zum Anschlag gehen will. Ob das Stativ dann gerade steht, hängt natürlich vom Untergrund ab.


Um das Stativ wirklich gerade zu stellen, hat man in der Basis eine sehr gut gemachte Dosenlibelle. Steht hier wohl nicht so gaaanz gerade ;) Außerdem sieht man hier die erwähnte Nivellierkugel und die darauf fest angebrachte Plattform, die ebenfalls eine Libelle eingebaut hat. Sollte das Stativ also nicht 100 % gerade stehen, kann man mit der Kugel noch bis zu 30 Grad exakt ausgleichen.


Die silbernen Teile links und rechts sind die Arretierungen für die Beinstellung. Mit der gut zu bedienenden schwarzen Metalllasche darunter kann man die Beinstellung verändern. Das funktioniert genauso wie bei den meisten anderen Stativen mit einem Federmechanismus, so dass es selbstätig einrastet. Also zum Verstellen drücken und halten und loslassen wenn es einrasten soll.

Hier noch mal von der Seite. Außerdem sieht man hier die sehr lange Achse und den Drehgriff für die Feststellung der Nivellierkugel. Man hat damit überhaupt kein Problem die Kugel knackfest zu ziehen, wobei das bei der Größe der Kugel selbst für schwere Last eigentlich nicht notwendig ist, da "nickt" nichts.


Innerhalb eines Kranzes befindet sich die Feststellschraube für die...Schraube :) Die 3/8"-Gewindeschraube mit der man z.B. den Kugelkopf befestigt, ist drehbar und federnd gelagert. Damit kann man sehr einfach bei aufgebautem Stativ sein Geraffel festschrauben. Man stellt einfach Kamera mit Kopf oder wie hier Getriebeneiger auf die Plattform und dreht dann mit der freien Hand an dieser Rändelschraube. Nach ein paar Umdrehungen sitzt alles fest und zwar genau in der Position, in der man es auf die Plattform gesetzt hat. Genauso schnell löst man das wieder und kann z.B. einen anderen Kopf montieren oder hat Stativ und Kamera+Kopf getrennt für den Transport. Sehr, sehr praktisch!


Die Füße sind aus stabilem Metall. Man hat eine reindrehbare Gummikappe, die einen langen und stabilen Metalldorn freigibt.


Der Dorn ist unten spitz. Sieht man hier nicht, weil der sich in den Teppichboden bohrt ;) Einziger Nachteil dieses Prinzips: Dreck setzt sich schnell in die Rillen des Gewindes. Wenn man das Stativ einmal mit den Spikes draußen auf der Wiese abgestellt hat, ist das Gewinde schmutzig und es knirscht ein wenig beim Zurückdrehen des Gummisteils. Bis jetzt hatte ich aber keine Probleme damit, wobei ich aber die Spikes auch fast immer draußen habe.



Mein Plan ein wirklich stabiles und wackelfreies Stativ haben zu wollen, hat sich mit dem Teil erfüllt. Auch mit einem schweren Kopf (hier Manfrotto 410, ca. 1,2 Kilo) und einer schweren "Nutzlast", wie auf dem Bild die Mittelformatkamera Mamiya RB 67, wackelt nichts und man hat nie das Gefühl die Sache wäre instabil. Auch bei Wind kein Problem. Da ist schon eher die Verbindung zwischen Kopf und Kamera die schwache Stelle.

Für den Transport auf dem Rad habe ich mir übrigens eine ebenfalls von Berlebach erhältliche spezielle Tasche gegönnt. Die wird wie die bekannten Taschen mit Patenteinhängung horizontal am Gepäckträger befestigt. Ich meine damit diese Dinger die man mit einem Handgriff wieder abnehmen und theoretisch auch wieder einhängen kann...ich denke ihr wisst was ich meine. Die Tasche ist gut...okay. Ein wenig eng, aber ansonsten sehr gut gemacht. Zumindest ist der Transport auf dem Rad damit kein Problem mehr. [Bild fehlt...mach mal eines!]

Berlebach 332 mit Manfrotto Getriebeneiger 410 und Nikon D800, Objektiv Sigma 35/1.4 Art

Mein Fazit:

Ein wirklich schönes und funktionales Stativ mit dem auch große Lasten kein Problem sind. Auch Wind oder Vibrationen durch die Kameramechanik sind kein Thema. Wenn was wackelt, dann ist die Schwachstelle auf dem Stativ zu suchen, z.B. der Kopf oder Lämmerschwanz-Stativschellenkonstruktionen an den Objektiven.

Die Verarbeitung ist erstklassig, die Materialen wirken alle topp, allen voran natürlich das Holz. Die Mechanik wirkt in ihrer Einfachheit sehr solide und langlebig. Mir geht bis jetzt keines der Gimmick-Features der anderen Stative ab. Weder brauche ich, noch will ich eine Mittelsäule zum Ausziehen oder sogar so einen Schwenkarm oder das ultrakompakte Packmaß, welches durch 3 bis 4 Beinsegmente erzielt wird. Das Gewicht ist natürlich eine Ansage, aber wenn die Sache steht wie in Beton gegossen, sind mir 1-2 Kilo mehr ziemlich egal.

Einziger Kritikpunkt bis jetzt: das Stativ klappert ein wenig beim Transport und die Beine stoßen unten an den Kanten der Metallklemmung zusammen. Das beschädigt auf Dauer nicht nur den Lack, sondern macht auch Lärm. Ich habe mir mit 3 Gummiklebeteilen beholfen. Diese sitzen an den Ecken an denen die Metallteile beim Transport aufeinander treffen. Vielleicht könnte Berlebach das einfach mal mit integrieren.

Wer ein wirklich stabiles und funktionales (und schönes) Stativ sucht und nicht auf Packmaß und Gewicht achten muss, kann bei dem Preis aus meiner Sicht keinen Fehler machen. Außerdem gibt es diverse Varianten, so dass man vom viele Kilo schweren Astro-Stativ bis hin zum Ministativ alles in Holz bekommt. Es gibt z.B. auch eine ähnliche Variante mit 2 Beinauszügen und entsprechend geringerem Packmaß.
 

Danke für's Interesse und Grüße,
Gordon






Donnerstag, 17. April 2014

2500 mm Brennweite - Fotografie mit einem Teleskop

Seit ein paar Monaten habe ich ein kleines Teleskop. Wollte ich schon als Kind immer haben. Leider hat es damals nur für ein gammeliges Linsenteleskop der billigsten Machart gereicht. Interessant war es trotzdem. Nun, sehr viele Jahre später habe ich mir ein gut transportables Teleskop gekauft, das man auch direkt an eine Kamera adaptieren kann...quasi wie eine Russentonne (http://de.wikipedia.org/wiki/Maksutov-Teleskop). Ist genau genommen aber ein Schmidt-Cassegrain (http://de.wikipedia.org/wiki/Schmidt-Cassegrain-Teleskop). Aber egal, ich will jetzt nicht die technischen Details auswalzen. Ich möchte hier nur mal den Unterschied im Bildwinkel zeigen, der sich aus der Brennweite ergibt.

Hier eine Aufnahme mit einem Fotobobjektiv mit 300 mm Brennweite an einem Micro Four Thirds Sensor, woraus dann 600 mm im Kleinbildäquivalent resultieren.



Und von der gleichen Position mit dem besagten Teleskop, ebenfalls mit der gleichen Sensorgröße. Das Teleskop hat 1250 mm Brennweite, also erhalten wir die titelgebende Brennweite von 2500 mm als Äquivalent.


Schon heftig oder? Hier zum Vergleich noch eines mit einer Kleinbildkamera und 200 mm Brennweite.


200 mm vs 2500 mm ;)
Leider kann man das Teleskop nicht wirklich gut für Tageslichtaufnahmen verwenden, dafür ist die Bildqualität die auf dem Sensor landet zu schlecht. Ist zwar scharf, sofern die Luft nicht zu unruhig oder dunstig ist, aber der Kontrast ist im Vergleich zu einem auch nur halbwegs brauchbarem Fotoobjektiv schon eher bescheiden. Aber mit EBV kann man da noch was machen und was nützt einem ein perfekes Bild auf dem man nicht das erkennen kann was man sehen will? Dann doch lieber ein nicht perfektes Bild, wo aber das interessante und sonst nicht erreichbare Motiv drauf ist.
Notiz an mich selbst: ich wollte schon lange Details vom Bremer Rathaus und dem Dom aufnehmen, die so hoch und klein sind, dass man das mit normalen Fotoobjektiven nicht vernünftig hinbekommt.

Grüße,
Gordon